Das Perlendrehen ist ein sehr schönes Hobby, welches relativ schnell zu tollen Resultaten führt. Erste Ergebnisse sind innerhalb weniger Stunden unter Anleitung zu erreichen - der weitere Lernprozess kann jedoch Jahre dauern, bis man zu einem echten Künstler des Perlendrehen wird.
Der finanziellem Aufwand ist anfangs vergleichsweise gering, es wird zunächst auch nur wenig Material und Platz benötigt. Theoretisch reicht anfangs ein Platz in der Küche, der nach dem Perlendrehen wieder freigeräumt wird. Das ist natürlich keine Dauerlösung, aber es ist zumindest anfangs möglich, um rauszufinden, ob das Perlendrehen überhaupt etwas für einen ist.
Die Ausrüstung ist vergleichsweise überschaubar und für den Anfang auch nicht teuer:
Brenner
Zunächst wird ein Brenner benötigt, dies kann für den Anfang auch ein einfacher Propangas-Kartuschenbrenner aus dem Baumarkt sein. Diese Arten von Brennern können schon erstaunliche Perlen entstehen lassen. Die einzige wirkliche Einschränkung ist die Größe der Perle, weil ab einer bestimmten Perlengröße einfach nicht mehr genug Leistung bzw. Hitze zum Schmelzen der Perle vorhanden ist. Das ist aber insbesondere am Anfang nicht schlimm. Man kann trotzdem alle Techniken an kleinen Perlen durchführen bzw. erlernen.
Dorne und Trennmittel
Zusätzlich braucht man Stäbe, um die die Perlen gewickelt werden. Dazu benutzt man einfache Edelstahlstäbe, die Dorne genannt werden. Ideal für den Anfang sind 2mm und 3mm Stäbe.
Diese Dorne werden mit Trennmittel präpariert, das hitzefest ist und verhindert, daß das Glas am Stab festbackt. Das Trennmittel ist fertig angerührt erhältlich oder als Pulver zum selber anrühren. Ich empfehle das Pulver. Es ist nicht nur billiger, sondern man kann dann auch die Konsistenz nach belieben einstellen. Die Dorne werden einfach in das Trennmittel getaucht und dann zum Trocknen in einen Halter gesteckt. Das Trennmittel muß vollkommen trocken sein, bevor man das Perlendrehen beginnt! Sonst reißt es beim Eintritt in die Flamme.
Nach dem Drehen der Perlen wird die Perle zusammen mit dem Trennmittel vom Dorn einfach mit der Hand abgezogen. Das Trennmittel zerbröselt dabei und kann entsorgt werden.
Glasstäbe
Die Glasstäbe sind natürlich das zentrale Element beim Perlendrehen. Man verwendet spezielles Glas zum Perlendrehen, das es in speziellen Online-Shops gibt. Kaufen Sie anfangs möglichst die dünnen Glasstäbe (z.B. 3mm), da diese leichter schmelzen und viel einfacher zu verarbeiten sind. Die Glasstäbe gibt es allen Farben und von verschiedenen Herstellern. Um sicher zu gehen, sollte man nicht verschiedene Hersteller in einer Perle mischen. Jede Glasart (nicht jede Farbe!) hat einen bestimmten Ausdehnungskoeffzienten. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man nur Gläser aus einer Glasart desselben Herstellers verwendet.
Glasstäbe gibt es in opak (d.h. undurchsichtig), in transparent (durchsichtig) und opal (halbdurchscheinend). Nicht jede Farbe verhält sich gleich, insbesondere nicht am einfachen Propangasbrenner. Z.b. ist Weiß etwas schwierig, es wird gerne grau oder schnell blasig und ist spröde beim Erhitzen. Einfache bzw. fast immer gelingende Farben sind Rot und Schwarz, Türkis und Erbsengrün (alle opak) von Moretti bzw. jetzt Effetre.
Kühlgranulat
Glas kann man nicht an der Luft abkühlen lassen, es würde zu schnell erkalten und dabei zerplatzen. Die einfachste Möglichkeit, das Abkühlen zu verlangsamen, ist die Verwendenung von Kühlgranulat. Das sind hitzefeste Krümel, die die heiße Perle sehr gut isolieren und so die Abkühlung auf ca. 20-30 Minuten verzögern. Die noch heiße (aber nicht mehr glühende) Perle wird samt Dorn einfach in das Granulat gesteckt. Wenn die Perle dabei nicht mehr glüht, bleibt die Glasoberfläche auch völlig glänzend - das Granulat bleibt nicht an der Perle kleben.
Wie dreht man nun Perlen?
Kurzanleitung1. Man hat die Dorne mit Trennmittel präpariert und trocknen lassen, die Glasstäbe bereit gelegt und den Brenner angestellt, Schutzbrille aufgesetzt.
2. Der Dorn mit Trennmittel wird von der linken Seite leicht drehend in die Flamme geführt und gut vorgewärmt. Mit der rechten Hand nimmt man nun einen Glasstab und führt ihn ebenfalls in die Flamme und wartet, bis die Spitze weich wird. Dann stupst man die Spitze auf das Trennmittel des Dornes und dreht gleichzeitig langsam den Dorn. Das Ganze wird ständig an die Stelle der Flamme nachgeführt, wo das Glas gerade sehr dicklüssig bleibt. Das ganze Vorgehen ist ähnlich so, als würde man sehr dickflüssigen Honig auf einen Stab wickeln wollen, um ihn am Abtropfen zu hindern.
3. Auf diese so erstellte erste Glasschicht lassen sich andere Farben oder auch weitere Schichten der gleichen Farbe auftragen.
4. Wenn man mit der Perle zufrieden ist, nimmt man sie aus der Flamme, und wartet einige Sekunden, bis sie nicht mehr glüht. Dann steckt man sie sofort ins Kühlgranulat.
5. Nach ca. 30 Minuten kann die Perle aus dem Granulat genommen werden und vom Dorn gezogen werden. Das Trennmittel wird sorgfältig entfernt und voila! Die Perle ist fertig!
Das ist natürlich nur eine sehr kurze Anleitung zum groben Verständnis vom Perlendrehen. Wenn man aber einmal damit angefangen hat, kommt nicht so schnell wieder davon los. Schnell wächst auch die Ausstattung des anfangs noch so überschaubaren Werkzeugs: Man möchte einen Zweigasbrenner für größere Perlen und schnelleres Arbeiten, einen Sauerstoffkonzentrator (Konzi), um ohne Sauerstoffflasche auszukommen, viele Werkzeuge wie Graphitpaddel, Zangen, Haken, einen professionellen Abkühlofen, Formen aus Messing und vieles mehr ...
Nichtdestotrotz kann man mit einem ganz einfachen Propangasbrenner aus dem Baumarkt und wenig Zubehör ganz tolle Perlen drehen.